Netzwerk statt Alleingang: Neue Wege für die Transformation von Familienunternehmen

07.05.2026

Ein Gastbeitrag von Tobias Rappers, Managing Director Maschinenraum

Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, jeden Fehler selbst zu machen. Gerade Familienunternehmen sind es gewohnt, Dinge intern zu klären, Entscheidungen im eigenen Haus zu treffen und Wissen als Wettbewerbsvorteil zu hüten. Lange Zeit waren sie damit erfolgreich. Doch Märkte, Technologien und regulatorische Anforderungen verändern sich heute so schnell, dass dieses Prinzip nicht mehr trägt. Unternehmen müssen Digitalisierungsstrategien entwickeln, einen Kulturwandel vollziehen, Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen, Talente gewinnen, halten – und all das gleichzeitig. Wie soll ein Familienunternehmen mit begrenzten Ressourcen abdecken, wofür Konzerne ganze Stäbe und Strukturen vorhalten? 

Gemeinsam weiterkommen statt allein kämpfen 

Die naheliegendste Antwort sind keine Leuchtturmprojekte oder größere Budgets, sondern der Zusammenschluss mit Unternehmen, die vor denselben Fragen stehen. Denn die Herausforderungen, mit denen Familienunternehmen konfrontiert sind, ähneln sich unabhängig von Branche und konkretem Kontext. Durch das Teilen von Ressourcen, Wissen und Erfahrungen können sich Unternehmen das zunutze machen. Ein Logistikunternehmen kann beispielsweise von agilen Entwicklungsmethoden profitieren, die ein Konsumgüterhersteller in der Produktentwicklung einsetzt. Ein Industriebetrieb kann Nachhaltigkeitskonzepte aufgreifen, die ein Energietechnikunternehmen erfolgreich eingeführt hat. Und ein Dienstleister kann Recruiting-Ansätze übernehmen, mit denen ein Maschinenbauer den Fachkräftemangel aktiv angeht. Doch wie genau funktioniert das? 

Voraussetzungen für gute Netzwerkarbeit 

Es lohnt sich ein Blick auf die Grundbedingungen für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Denn Netzwerke entfalten ihre Wirkung nicht durch bloße Mitgliedschaft. Verschiedene Faktoren entscheiden darüber, ob Unternehmen wirklich profitieren.

Zunächst müssen Mitglieder bereit sein, selbst etwas einzubringen: eigene Erfahrungen, eigene Fragen, eigene Fehler. Netzwerkarbeit entfaltet ihren vollen Wert, wenn Unternehmen nicht nur Erfolge teilen, sondern auch Schwächen benennen. Nur wer zugibt, dass er beim Thema Personalentwicklung nicht weiterkommt, öffnet den Raum für konkrete Hilfe aus dem Kreis derer, die genau diesen Weg bereits gegangen sind. Familienunternehmen haben hier einen entscheidenden Vorteil: Da sie eine ähnliche Wertebasis haben, die durch Langfristigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen geprägt ist, ist eine wichtige Grundlage für Kooperation vorhanden.

Ein weiteres Erfolgskriterium ist eine gezielte Steuerung des Angebots, damit das Netzwerk an den tatsächlichen Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet bleibt und alle Mitglieder das Ökosystem so effektiv wie möglich nutzen können.  

Wie unternehmensübergreifende Zusammenarbeit im Maschinenraum gelingt 

Ein Ökosystem für Familienunternehmen, in dem diese Form der Zusammenarbeit systematisch angegangen wird, ist der Maschinenraum. Hier sind mehr als 80 Familienunternehmen miteinander vernetzt – darunter Unternehmen aus so unterschiedlichen Branchen wie Logistik, Konsumgüter, Industrie und Medientechnik. Sie gehören mit Umsätzen ab 300 Millionen Euro und mehr als 1000 Mitarbeitenden zum Rückgrat der deutschen Wirtschaft, viele sind Weltmarktführer in ihrem Gebiet. Die SCHÄFER Werke sind seit 2022 Teil des Netzwerks. Was alle Mitglieder eint, ist die Überzeugung, dass Innovation und Transformation durch das Aufbrechen von Unternehmensgrenzen schneller und besser gelingen. 

Im Maschinenraum findet der Austausch in 20 funktionalen Fachbereichen statt, darunter Finanzen, Nachhaltigkeit, Vertrieb, Personal, Kommunikation und Innovationsmanagement. Die Mitglieder kommen in moderierten Formaten zusammen, auf allen Hierarchieebenen und aus allen Unternehmensbereichen. Eine Online-Community und ein Navigator-Tool sorgen zudem dafür, dass bei konkreten Fragenstellungen im Arbeitsalltag Kontakt zu passenden Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern aus anderen Unternehmen hergestellt wird.  

Gemeinsam angehen, was allein zu aufwendig wäre 

Was Familienunternehmen allein oft nicht stemmen können – sei es aus Zeit-, Ressourcen- oder Wissensgründen –, lässt sich im Verbund häufig effizienter und besser lösen. Trainings, Workshops oder ganze Strategieprozesse können im Ökosystem gemeinschaftlich organisiert werden. Das senkt Aufwand und Kosten für alle Beteiligten, ermöglicht aber vor allem bessere Ergebnisse. Arbeiten Unternehmen zum Beispiel gemeinsam an einer konkreten Fragestellung, kommen sie durch das Einbeziehen verschiedener Perspektiven und Erfahrungen schneller voran. Der Maschinenraum hat darüber hinaus gezielte Partnerschaften mit Venture Capital Unternehmen sowie Hochschulen und Universitäten geknüpft, um Impulse aus der Start-up-Szene sowie eine stärkere Vernetzung von wissenschaftlicher Theorie und unternehmerischer Praxis zu ermöglichen. 

Personalentwicklung gemeinsam ermöglichen 

Ein weiterer wichtiger Bereich, den die SCHÄFER Werke im Netzwerk gezielt nutzen, ist die Weiterbildung und Befähigung von Mitarbeitenden. Familienunternehmen stehen hier vor einem strukturellen Dilemma: Die Ressourcen sind begrenzt, das Tagesgeschäft lässt wenig Spielraum, großflächige Trainingsprogramme sind oft nicht umsetzbar und Wissen für spezifische Schulungen nicht vorhanden. Gleichzeitig wächst der Bedarf an Kompetenzen rapide an. Der Maschinenraum bietet deshalb sowohl unternehmensübergreifende Trainings- und Programmformate, wie Bootcamps, Leadership-Programme und Train-the-Trainer-Ausbildungen, als auch die Option, spezifische Bedarfe eines Unternehmens durch Trainer:innen aus dem Netzwerk abzudecken.  

Praxisbeispiel: KI-Kompetenz gemeinsam aufbauen 

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Die SCHÄFER Werke beschäftigten sich Anfang 2024 mit der Frage, wie generative KI in allen Bereichen des Unternehmens produktiv eingesetzt werden kann. Was ein einzelnes Unternehmen in diesem Tempo und mit dieser Breite kaum allein hätte entwickeln können, ließ sich im Netzwerk umsetzen: Gemeinsam mit dem Maschinenraum führten die SCHÄFER Werke ein praxisorientiertes KI-Training ein, das Mitarbeitende gezielt auf den Einsatz von generativer KI im Arbeitsalltag vorbereitet. Neben einer grundlegenden Einführung umfasste das Programm verschiedene Vertiefungsmodule, in denen die Teams konkrete Anwendungsfälle für ihren eigenen Arbeitsalltag entwickelten. Ziel war es, die Belegschaft mit dem nötigen Wissen auszustatten sowie Felder zu identifizieren, in denen KI echten Mehrwert schafft – aber auch eine Kultur des Experimentierens und Lernens zu etablieren. 

Wettbewerber im Markt, Partner bei den großen Fragen 

Familienunternehmen, die Transformation isoliert angehen, riskieren den Anschluss. Das Problem ist nicht, dass sie zu langsam denken oder Ideen fehlen. Mit den Ressourcen eines einzelnen Unternehmens lassen sich die vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart schlichtweg nicht zufriedenstellend bewältigen. Sie müssen neue Perspektiven einbeziehen, Wissen teilen, Erfahrungen bündeln und Transformation gemeinsam gestalten. Dafür braucht es den Schritt von gelegentlichem Austausch zu systematischer Kooperation. Das setzt voraus, was Familienunternehmen im Kern auszeichnet: Vertrauen, Verlässlichkeit und den langen Blick. Ökosysteme wie der Maschinenraum zeigen, dass beides zusammengeht – Wettbewerber im Markt zu bleiben und Partner bei der Bewältigung großer Zukunftsfragen zu werden.

Als Gründer und Managing Director des Maschinenraums vernetzt Tobias Rappers rund 80 deutsche Familienunternehmen, um sie in den Kernbereichen der Transformation zu unterstützen. Der Strategieberater und Digitalexperte schätzt die von Mut, Vertrauen und Langfristigkeit geprägte DNA des deutschen Mittelstands.

Über den Maschinenraum
Der Maschinenraum ist ein Ökosystem, das über 80 deutsche Familienunternehmen vernetzt, darunter Jägermeister, Fiege Logistik, Schäfer Werke und Würth Industrie Service. Ziel ist es, durch Zusammenarbeit, die gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Wissensaustausch den Herausforderungen mittelständischer Unternehmen zu begegnen, zukunftsfähige Lösungen zu schaffen und die Transformations- und Innovationskraft der Mitglieder zu stärken. Dazu bietet das Netzwerk Online-Tools, moderierte Austauschformate, Kontakte zu Universitäten, Start-ups und Venture Capital sowie spezialisierte Workshops. Der Maschinenraum unterstützt seine Mitglieder mit einer objektiven Sichtweise im Innovationsmanagement, identifiziert Potenziale und Schwachstellen und befähigt sie durch unternehmensübergreifende Trainings für die Herausforderungen von morgen.

Weitere Informationen

Projektansprechpartner

Astrid Pieck (Pressekontakt)

T: 
+49 2735 787-636